Wir könnten genauso gut tot sein
Drama (D,RUM 2022)
Anna (Ioana Iacob) und ihre Tochter Iris (Pola Geiger) leben in einer streng gesicherten Wohnanlage am Waldrand. Draußen lauert eine diffuse Bedrohung, drinnen wächst die Paranoia: Ein verschwundener Hund reicht, um Misstrauen, Hysterie und Ausschlussmechanismen zu entfesseln. Ein kühles, präzises Debüt über Angst, Kontrolle und die Sehnsucht nach Sicherheit. Die Sicherheitsbeauftragte Anna lebt mit ihrer Tochter Iris in einem mit allen Bequemlichkeiten des Lebens ausgestatteten Hochhaus am Waldrand. Hier zu leben, abgeschirmt von einer gefahrvollen Umwelt, ist das Ziel. Doch als der Hund des Hausmeisters Gerti verschwindet, verbreitet sich die Angst im Haus. Iris ist überzeugt davon, dass ihr böser Blick für das Verschwinden des Hundes verantwortlich ist, und schließt sich im Badezimmer ein. Um Iris zu beweisen, dass ihre Ängste unbegründet sind, beginnt Anna mit der Suche nach dem verschwundenen Hund. Die Nachbarn finden Annas Verhalten verdächtig: Sie sind überzeugt, dass Gertis Hund eines gewaltsamen Todes gestorben ist und die Angst vor dem unbekannten Mörder breitet sich unter den Bewohner*innen aus. Eine freiwillige Bürgerwehr gründet sich. Als Anna versucht, die Nachbarn zur Vernunft zu bringen, werden Ermittlungen gegen sie aufgenommen. Der Druck steigt und Annas Lage wird immer aussichtsloser. Wie weit ist sie bereit zu gehen, um sicherzustellen, dass sie und ihre Tochter in dem Haus bleiben können? Mit "Wir könnten auch tot sein" legte Natalia Sinelnikova 2022 ein vielbeachtetes Langfilmdebüt vor, das auf Festivals als aktueller Beitrag zum "Angstkino" diskutiert wurde. Die abgeschottete Wohnanlage dient als Mikrokosmos für gesellschaftliche Mechanismen: Aus Angst entsteht Kontrolle, aus Kontrolle Ausschluss. Stilistisch setzt der Film auf eine reduzierte Bildsprache, präzise Tonarbeit und eine beinahe ruhige Inszenierung, in der sich die Bedrohung vor allem in Blicken, Routinen und kleinen Verschiebungen manifestiert. Statt großer Effekte beobachtet Sinelnikova, wie sich autoritäres Denken im Alltag einschleicht – und wie der Wunsch nach Sicherheit Schritt für Schritt Freiheit und Empathie untergräbt.
- Ioana Iacob (Anna Wilczynska)
- Pola Geiger (Iris Anna Wilczynska)
- Jörg Schüttauf (Gerti Posner)
- Susanne Wuest (Erika Drescher)
- Moritz Jahn (Wolfram Mantel)
- Siir Eloglu (Ursel)
- Mina Özlem Sağdıç (Zeynep)
- Knut Berger (Martin Drescher)
- Felix Jordan (Niklas Drescher)
- Ludwig Brix (Golfspieler)
- Lara-Sophie Milagro (Vertreterin Nicole)
- Alicja Rosinski (Iris Synchron)
- Fritzi Uhrig (Anne Marie Drescher)
- Jasmin Kraze (Serpil)
- Cristin König (Frau Richards)
- Jörg Pose (Herr Richards)
- Cito Andresen (Elias Richards)
- Rita Feldmeier (Vertreterim Wiebke)
- Christoph Jöde (Mitglied Burgerwehr)
- Paul Schirnhofer (Vertreter Manfred)
- Alexander Wertmann (Protokollant)
- Alexandra Sinelnikova (Frau Stamm)
- Aaron Sinelnikoff (Kind von Frau Stamm)
- Naffie Janha (Sangerin Ronja)
- Elina Schkolnik (Sangerin Lilly)
- Lilly Menke (Mitglied Burgerwehr)
- Jakob Kraze (Wohnungsbewerber)
- Kiera Bahl (Wohnungsbewerberin)
- Sascha Werginz (Besorgter Bewohner)
- Karl Schirnhofer (Streitender Bewerber)
- FSK 12
