WeltWeit
Vermischtes (A 2026)
Am 28. Mai vergangenen Jahres wird Blatten, ein kleines Dorf im Schweizer Kanton Wallis, von einem Bergsturz weitgehend zerstört. Die Bilder gehen um die Welt. Rund neun Millionen Tonnen Gestein, Geröll und Eis begraben die Häuser unter sich. Da das Dorf rechtzeitig evakuiert wird, kommt keiner der fast 300 Bewohner ums Leben. Heute – ein Jahr später – sind einige der Familien wieder im Dorf zurück. Blatten ist nur ein Katastrophen-Szenario von vielen möglichen: Ob Felssturz, Hangrutsch oder Erdbeben, die WeltWeit-Reporterinnen haben nachgefragt, wie es ist, mit dem Countdown zum Desaster zu leben. Die bergreiche Schweiz hat neben Blatten noch weitere "Sorgenkinder". Auch in Kandersteg, nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt, muss das Rutschgebiet rund um den sogenannten Spitzen Stein seit 2018 überwacht werden. Das kostet rund 900.000 Franken jährlich, denn zirka 50 Messgeräte und Kameras zeichnen die Bewegungen im Rutschgebiet auf. Marion Flatz-Mäser ist mit Ernst Müller unterwegs, der sich um die Wartung der Instrumente kümmert. In Kandersteg selbst macht sie die Erfahrung, dass nicht alle im Dorf öffentlich über die Bedrohung sprechen wollen: "Jede Berichterstattung über den Spitzen Stein schade dem Tourismus", sagen sie. 1.500 Menschen verlieren in Niscemi auf Sizilien ihr Zuhause, als es im Jänner nach starken Regenfällen zu einem Erdrutsch kommt. Seither zieht sich ein vier Kilometer breiter und bis zu 50 Meter tiefer Riss durch die Stadt. Cornelia Vospernik ist mit Antonio Pizzacanti vom italienischen Zivilschutz unterwegs und darf mit ihm direkt in die rote Zone. Die Katastrophe kann sich aufgrund der Bodenbeschaffenheit rund um Niscemi jederzeit wiederholen, sagen Geologen. Auch davor hat es bereits 1997 einen riesigen Erdrutsch gegeben. Den Verdacht, dass das Geld für die notwendigen Maßnahmen klassisch sizilianisch versickert sein könnte, weist der Bürgermeister entschieden zurück. Dass es in Istanbul ein großes Erdbeben geben wird, daran zweifelt niemand. Die Frage ist nur, wann es passiert. Der Grund: im Meer vor der Küste stoßen Eurasische und Anatolische Kontinentalplatte aneinander, wodurch sich starke geologische Spannungen ergeben. Die türkische Metropole mit fast 16 Millionen Menschen ist für so ein Beben nicht gerüstet. Wer, so wie Türkei-Korrespondentin Rosa Lyon, in der Stadt lebt und arbeitet, muss sich mit dem Thema konfrontieren. Ihre Recherchen zeigen ein schlechtes Bild: Die Stadt ist zu dicht bebaut, die Substanz der Häuser meist schlecht und viele wurden auf zu weichem Untergrund errichtet. Wenn die Erde in Istanbul bebt, muss man mit verheerenden Schäden und vielen Opfern rechnen, denn in den schmalen Gassen wird es kaum ein Durchkommen für Einsatz- und Rettungskräfte geben.
- Countdown – Warten auf das Desaster.
Wiederholung
Fr, 29.05.2026 | 23:50 - 00:20
